Ein sehr wichtiger Begleiter und Lehrer war für mich die letzten Jahre meine Friesenstute Raya. Eigentlich haben wir ein Pferd für meinen Mann gesucht. Anfängertauglich, sicher, ruhig, usw... Dann stand eine 2 1/2 jährige Friesenstute in der Zeitung... Natürlich war klar, daß es nicht das Pferd für ihn sein konnte, aber "nur mal gucken" wollten wir dann trotzdem. Ja, nettes Tier, aber es hat nicht so wirklich gefunkt, macht auch keinen Sinn wenn man "nur kuckt". Mein Mann hat sie mir dann aber quasi aufgeschwatzt, und zwei Wochen später haben wir sie nach Hause geholt. Und natürlich gab es massive Probleme. Wir konnten nicht mal spazieren gehen, sie hoppste um mich herum und war nur mit vollem Körpereinsatz zu halten. Ans spätere Reiten zu denken war völlige Idiotie. Ich war verzweifelt, wütend und enttäuscht und wollte nur noch heulen. Stattdessen fing ich an, Bodenarbeitskurse zu besuchen. Es wurde schleichend besser, irgendwann habe ich sie alleine eingeritten, aber die Angst und Unsicherheit ritt immer mit. Das war nämlich immer noch mein Problem: mit meiner komplexen posttraumatischen Belastungsstörung war ich noch so sehr viel mehr Fluchttier als mein Pferd, und konnte dem jungen Ding nur wenig Sicherheit bieten. Wir haben hart an uns gearbeitet. Wenn ich intensiv an mir gearbeitet habe, wurde die Beziehung zum Pferd besser, habe ich intensiv an meinem Pferd gearbeitet, wurde die Beziehung zu mir selbst besser. Das eine hat das andere bedingt, und wurde durch die ein oder andere Therapie begleitet...

Das ganze ist jetzt zehn Jahre her, inzwischen benötigen wir (eigentlich) kein Halfter mehr, sind sogar schwere Lektionen nur auf Halsring geritten, lieben die Freiarbeit und können uns zu 1000% aufeinander verlassen.

Die Jahre so zu erleben und von einem Pferd so begleitet zu werden, empfinde ich als maximal bereichernd und wertvoll.

Heute ist sie mit 13 Jahren leider schon in Frührente wegen ihrer Arthrose. Für unsere gemeinsame Entwicklung bin ich ihr unendlich dankbar. Ihr Auge ist auf meinem Oberarm tätowiert, weil ich immer unter ihrem Auge handeln werde, sie ist ein Teil von mir, ein unendlich großes Herz und kritischer Ratgeber und Beobachter, der sich mit jeder Sekunde in meiner Arbeit wieder findet.

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Die Wildpferde als

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